Kolumba
Kolumbastraße 4
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»In ihrer Ausstellung, die sich über fünf Räume von Kolumba verteilt, stellt die aus Wales stammende, in Berlin lebende Bethan Huws eine Gretchenfrage: Warum noch mehr Kunstwerke schaffen, wenn man schon die nicht versteht, die es bereits gibt? So lautet der Text in einer ihrer sogenannten „Wort-Vitrinen“, Glaskästen mit Steckleisten für bewegliche Buchstaben, die gleichzeitig Texte und gerahmte Bilder sind.
Die Kunst von Bethan Huws liefert mögliche Antworten auf diese Frage. Eine davon lautet, dass Verstehen kein abschließbarer Prozess, sondern ein endloses Spiel mit Variablen ist. So versieht die Künstlerin ein Fenster mit einem Vorhang, der mit dem Wort „CERTAIN“ bedruckt ist – ein Wortspiel mit „curtain“, dem englischen Wort für Vorhang, ine Anspielung auf Ludwig Wittgensteins Text „Über Gewissheit“ und eine produktive Intervention in einem Haus, das auf Fragen von Glauben und Zweifel spezialisiert ist.
Im Zentrum von Huws’ künstlerischen Überlegungen steht erklärtermaßen das Werk von Marcel Duchamp, dem die Kunstwelt seit über hundert Jahren das Readymade, den zum Kunstwerk erklärten Alltagsgegentand verdankt. Huws spielt mit Duchamps Einsicht, dass Kunst nicht eine Frage der Ästhetik, sondern eine der Geltung ist: Auf zwei Tischen begegnen sich sorgfältig von ihr arrangierte Alltagsgegenstände aus der Sammlung des Museums und von Huws ausgewählte Naturobjekte – ohne dass man die Frage, ob die Alltagsdinge dadurch ebenfalls zu Kunst geworden sind, mit dem Auge allein beantworten könnte. Ein gründliches Interesse an Duchamp wäre unvollständig ohne eine Hommage an seinen ganz unironischen Erotismus, den Huws in ihrer Filmprojektion „The Chocolate Bar“ (2005/06) gebührend feiert. Dreh- und Angelpunkt der Arbeit ist das Wort „Mars“, das einen Frühlingsmonat einen Kriegsgott, einen Planeten und einen Schokoriegel bezeichnen kann. Der Film kontrastiert eine Kaskade sprachlicher Missverstände, die um den Begriff kreisen, mit dem – herrlich überzogenen – sprachlosen, aber nicht stummen Genießen der Schokolade durch einen männlichen Darsteller, Anspielung auf Duchamps Vorliebe für das (autoerotische) Junggesellentum. Sprache, fand Duchamp, ist gut für Vereinfachungen, aber ziemlich ungeeignet, um „36 Schattierungen einen Gefühls“ zum Ausdruck zu bringen.« (Barbara Hess „Fragen über Fragen“, Bethan Huws interveniert in Kolumba in: Stadtrevue von 06/2016)

»Dieses Kunststückchen schleicht sich aus dem Augenwinkel ins Bewusstsein. Eine Sache von Sekunden. Man steht zum Beispiel im Kiosk an der Aachener Straße, der Blick streift Zigaretten, das Alkoholregal, dort lehnt ein iPad, darauf zwei applaudierende Anzugträger; soweit so tausend mal gesehen. Aber die Herren hören einfach nicht auf zu klatschen. Eine Endlosschleife, resistent gegenüber schneller Deutungswut (Ähnelt der eine nicht Dick Cheney? Wann, wo, warum?), je länger man schaut, desto sinnentleerter wird die Geste. Aber einen Moment steht die Warenwelt still. Eingeschleust hat den Agenten der Künstler Olaf Eggers: Für seine mit Kolumba realisierte Aktion „Shopmovies“ hat er an sechs Orten in der Innenstadt iPads platziert. Ein Relitätspartikel (kurz, leicht, schnell erfassbar) extrahieren, minimal bearbeiten, zurück ins Umfeld setzen – so erklärt Eggers seine Arbeitsweise. Eine präzise Setzung, maximal beiläufig, die unterhalb des Kunstradars das Alltagsgeschäft infiltiert. Applaus Applaus – für diese Art uns zu verstören.« (Melanie Weidemüller, Shopmovies, Stadt-Revue, 01/2016, S.70)

»Die neue Ausgabe eines christlichen Gesangbuchs, ein Thema für die StadtRevue? Nun, wenn die Katholische Kirche in ihr „Gotteslob“, dem 1975 erschienenen Gebets- und Gesangbuch für alle deutschsprachigen Bistümer, erstmals freie Zeichnungen integriert und dafür die Kölner Künstlerin Monika Bartholomé anfragt, wird es schon ein Thema. Erst recht, wenn in der musealen Präsentation dieser Arbeiten auch Bartholomés umfassendes Projekt „Museum für Zeichnung“ vorgestellt wird. Für die Ausstellung hat Kolumba seine erste Etage freigeräumt: Das Museum im Museum präsentiert in Originalzeichnungen, Postkarten, Publikationen und Filmen eine persönliche und zugleich umfassende Definition der Zeichenkunst. In ihr finden die Werke fürs „Gotteslob“ mit Tattoos, Kalligraphie, Comics, Ritzzeichnungen und Animation gemeinsame Nenner.« [Es folgt ein ausführliches Interview] (Oliver Tepel, Der Mensch ist ein Zeichner. Monika Bartholomé präsentiert ihr Museum für Zeichnung der ÖffentlichkeitStadtRevue 06/2015

»…eine zerbrechliche, würdige Empfangsdame aus Alabaster-Bruchstücken, still, anmutig, staunenmachend. In dieser Tonart ist die gesamte, sehr aufgeräumte Ausstellung gestimmt, die um das katholische "Gaudium et Spes", Freude und Hoffnung kreist. Entdeckungen? Aber ja: etwa eine Skulptur der 1981 geborenen, in New York lebenden Esther Kläs, die eines der Turmzimmer mit ihrer ganzen verblüffenden Präsenz füllen darf… Freude bereiten auch die große "petersburger" Wand mit Zeichnungen nach der Natur, Birgit Antonis früher Animationsfilm "Schmetterling" oder (was schlummert noch alles in dieser Sammlung?), vierzig auf Reisen gezeichnete Blätter des leichthändigen Meisters Richard Tuttle. Wer befürchtet hatte, das "Prinzip Kolumba" mit welchsenden Jahresausstellungen könnte sich erschöpfen, den Kuratoren die Ideen oder die Sammlungsbestände ausgehen, wird auch mit der nunmehr achten Neu-Inszenierung sanft eines Besseren belehrt." (Melanie Weidemüller. Kolumba playing by heart, in: Stadt-Revue, 11/2104, S.67)

»Das Kölner Kolumba lud Bruno Jakob nun zu einer Intervention innerhalb der Jahresausstellung 'zeigen verhüllen verbergen. Schrein' ein, und in der Tat passt diese exentrische Position hervorragend zum Kontext. Der 1954 in der Schweiz geborene, in New York lebende Künstler beschäftigt sich schon seit 1968 mit seinen 'Invisible Paintings', wie er seine Malerei mit unsichtbaren Materialien nennt. Es geht um den Versuch, die Kraft der Imagination selbst darzustellen.« (Sabine Elsa Müller, Schneckenmalerei und tiefer Schlaf, in: Stadt-Revue, 4/2014, S.50)

»Kölns schönstes und eigensinnigstes Museum sammelt nebenbei auch Auszeichnungen. Dieses Jahr die "Große Nike" des BDA, und gerade wählte die Deutsche Sektion des AICA (Internationaler Kunstkritikerverband) Kolumba zum "Museum des Jahres 2013". Manchmal trifft es den richtigen.« (Stadt-Revue, Januar 2014, S.29)

»Jedes Jahr baut sich diese Spannung auf: Nach kurzer Umbauzeit präsentiert sich Kolumba – immer zum gleichen Termin am 15. September – mit einer komplett neuen Präsentation seiner Sammlung, die nun wieder für ein ganzes Jahr lang für eine eigenwillige Kunsterfahrung wie auch für Diskussionsstoff sorgen wird. "zeigen verbergen verhüllen. Schrein – Eine Ausstellung zur Ästhetik des Unsichtbaren" laut der programmatisch assoziative Titel in diesem Jahr. Während man geduldig mit den Pressekollegen vor den Türen des Museumsbaus auf Einlass wartet, wir einem plötzlich bewusst, wie sehr die Metapher des Schreins, der etwas noch viel Kostbareres in sich birgt, verhüllt und damit gleichzeitig aus der Masse hervorhebt, auf den vom Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor entworfenen Bau selbst zutrifft. Das Kunstmuseum des Erzbistums ist in vieler Hinsicht etwas Besonderes. Es beherbergt einen imposanten sakralen Schatz an Malerei, Skulptur, liturgischem Gerät, Gewändern, goldenen Monstranzen, Büchern, Prozessionsfahnen und vieles mehr, der sämtliche Epochen bis zurück zum frühen Mittelalter umfasst. 1990 erlebte das Museum mit dem Amtsantritt von Joachim M. Plotzek eine Zäsur, denn er öffnete das Museums für die Gegenwartskunst. Im Neubau trägt Stefan Kraus seit 2008 die Verantwortung für wechselnde Dialoge von sakraler und profaner Kunst, Alt und Neu, Hochkunst und Angewandter Kunst und die eigenwilligen Fragen, die Kolumba aufwirft: Was macht einen Gegenstand zur Kunst? Was sind uns die Dinge, mit denen wir uns täglich umgeben wert? Ist spirituelles Erleben an Heiligenbilder gebunden oder stellt es sich auch bei einem abstrakten Gemälde ein? Bei der nun schon siebten Jahresausstellung geht das Konzept auf. Der Rundgang ist von mächtigen Blöcken akzentuiert, die von Station zu Station spiralförmig in die 2. Etage leiten, in das Innerste und gleichsam Allerheiligste. Dort glänzt die Ausstellung mit spektakulären Leihgaben aus dem Siegburger Kirchenschatz: Das Paradestück ist der Anno-Schrein von 1181, der als Vorläufer des Dreikönigen-Schreins im Kölner Dom zu den kostbarsten Goldschmiedewerken seiner Zeit zählt. Begleitet von drei weiteren, etwas kleineren Schreinen bildet sich hier ein sakrales Zentrum, das verüllt, was es in sich birgt. In umgekehrter Reihenfolge von innen nach außen betrachtet, legt sich um dieses Zentrum eine diaphane Hülle in Form der wunderbar ambivalenten Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Max Cole (* 1937), deren Werk einen weiteren Schwerpunkt bildet. Ihre aus feinen horizontalen und vertikalen Linien und luziden Bändern aufgebaute Malerei wirkt nüchtern und beunruhigend zugleich, flächig und unendlich tief, wechselhaft und unggreifbar. Die angrenzenden Räume bieten immer wieder überraschende, vor allem sehr unterschiedliche Eindrücke. Die 22 Räume des Hauses erfordern dramaturgisches Geschick. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Einige sind niedrig, andere turmhoch, manche schmal und lang, dramatisch beleuchtet, liegen in schummrigem Dämmerlicht oder sind lichtdurchflutet. Durch die Haupträume spannt sich ein gleißend polierter, fast weißer Terrazzoboden, auf dem die Besucher wie auf Wasser zu wandeln scheinen, während der Lehmputz der Wände für eine warme Ausstrahlung sorgt. An diesem sensiblen Wänden wirken die blauen Bilder von Rudolf de Crignis (1999) noch unwirklicher, schwebender und entrückter als sonst. Skie teilen sich den Raum mit einem mächtigen Heilig-Geist-Retabel aus einer Nürberger Werkstatt von 1449, als spannende Gegenüberstellung formal völlig unterschiedlicher Lösungen der Frage nach der spirituellen Malerei. Es lassen sich viele Neuentdeckungen machen, wie die beeindruckende Halbfigur von Hans Josephsohn (1996) oder die bisher noch nie gezeigten feinen Radierungen von Gerhard Altenbourg (1985-88). Die lebendige, von Licht modulierte Oberfläche von Jeremias Geisselbrunns Muttergottes mit Kind aus Alabaster (um 1650) korrespondiert in einem sehr reizvollen Kontrast mit den wenigen Pinselstrichen und der meditativen Tiefe des kleinen Jawlensky-Bildes (1937) ihr gegenüber. Ein Schrein kann aber auch ein modernes Gerät sein, wie beispielsweise ein Fernsehrgerät aus der Sammlung Schriefers, ein Radiogerät oder ein Toaster, eine Thermoskanne oder eine alte Plattenkamera – so unerschöpflich das Thema, so vielfältig und spannend diese Ausstellung.« (Sabine Elsa Müller, Heiliger Schrein trifft profane Wunderkisten, in: Stadtrevue, 12.2013, S.61)

»Kolumba ist Kolumba. Mit seiner Eröffnung 2007 hat sich dieses Museum als ein Kunstort eigener Art etabliert. Er zeigt Chronologien und sortenreine Einteilungen souverän ignorierende Ausstellungen sakraler Werke aller Epochen und mischt sie mit Kunst, Design und Kunsthandwerk der Moderne und Gegenwart. Die bisherigen Jahresausstellungen lassen sich als offene, um ein thematisches Motto gruppierte Arrangements beschreiben. Darüber ist fast vergessen worden, dass Kolumba nicht nur Kolumba ist, sondern auch „Museum des Erzbistums Köln“. Mit der neuen Jahresausstellung wird aus dieser kirchlichen Bindung mutmaßlich eine Verpflichtung. Sie steht unter dem Titel „Art is Liturgy. Paul Thek und die Anderen“. In dieser so griffigen wie durch ihren Allgemeingültigkeitsanspruch problematischen Formel – ein Thek-Zitat – werden Kunst und Gottesdienst gleichgesetzt, denn Liturgie bedeutet die „amtliche oder gewohnheitsrechtliche Form des Gottesdienstes“, wie es nüchtern im Duden heißt. In einer Pressemitteilung fasst das Museum Liturgie weiter, in ihr „wird die Geburt, Leben und Werk, die Passion, der Tod und die Auferstehung gefeiert, erinnert und vergegenwärtigt“. Nicht nur die einengende Bindung an einen theologischen Begriff, auch die Hervorhebung eines einzelnen Künstlers ist ein Novum, konventionelle Retrospektiven sind nicht Sache des Hauses. Auch für Paul Thek macht man keine Ausnahme. Fast immer sind seine im ganzen Haus verteilten Werke – Objekte, Zeichnungen und Bücher, Malereien – mit anderen Stücken kombiniert. Kolumba hat seit den 90er Jahren die weltweit größte Sammlung mit Werken des Amerikaners zusammengetragen. Paul Thek (1933 – 1988) ging es, auch und gerade im Sinne des Liturgischen, ums Ganze, um erste und letzte Dinge. Seine begeisterte, quälende Auseinandersetzung mit Gott und der Welt findet ihren Niederschlag in ebenso individuellen wie rätselhaften, verstörenden Werken. Vor allem seine plastischen Objekte handeln von einer sehr persönlichen Beschäftigung mit dem (eigenen) Körper, der physischen Seite des Seins als Fleisch, und der Entgrenzung und Aufhebung eben dieses Körpers durch Tod und Erlösung. Thek zeigt ihn mal als ozeanisch zwischen Fischen schwimmenden, treibenden, lebensgroßen Leib („Fishman“, 1969), mal als aus Wachs gefertigten, fettgelben, geweberoten Fleischbrocken, der wie selbstverständlich von Schmetterlingen, den Seelensymboltieren schlechthin, umgeben ist („Technological Reliquary [Meatsculpture with Butterflies]“, 1966). Spielerischer, heiterer, manchmal naiv erscheinen seine Malereien, Zeichnungen und Radierungen. Aber auch diese Erdkugeln, Schlangen, Meere, Schwäne, Wale sind durch ihre Titel, anspielungsreiche Beschriftungen, nicht zuletzt die traditionelle christliche Symbolik inhaltlich aufgeladen und in heilsgeschichtliche Zusammenhänge eingebunden. Trifft für Thek das Schlagwort „Kunst ist Liturgie“ sicher zu, so ist zu fragen, wie es sich mit den „Anderen“ verhält. Michael Buthes prätentiös-pathetisches Spätwerk „Die heilige Nacht der Jungfräulichkeit“ (1992) fügt sich bruchlos ins Kunstliturgische. Es besteht aus zwölf geschwärzten Kupfertafeln, die mit ihren gravierten, schwebenden Figuren und üppigen Ornamenten geheimnisvoll im Licht einiger Kerzen im Dunkeln schimmern. Überhaupt scheint diesmal in einigen Räumen eine besonders bedeutungsschwere Andachtsdunkelheit zu herrschen. Jannis Kounellis Goldwand „Tragedia civile“ (1975) leuchtet noch ein bisschen feierlicher als sonst in Raum 16. In ihrer Nachbarschaft tauchen Deckenstrahler diverse zeitgenössische Schalen, Becher und Vasen in auratisierendes Licht, zusätzlich erfahren sie im Begleitheft durch ein Zitat zur liturgischen Notwendigkeit von Gefäßen eine unfreiwillige Sakralisierung. Subtiler sind die Eingemeindungen anderer weltlicher Werke. Ob es sich um Literatur zur Bauhausbühne und George Brechts profane Handlungsempfehlungen handelt, die dem Rituellen zugeschlagen werden, oder um Jürgen Klaukes ironisch-circensische „Daseinsrenovierung # 1-6“ (1996 – 98), die durch eine benachbarte Pietà und Theks „Fishman“ in höheren Sphären entrückt wird, stets werden Werke in Zusammenhänge gestellt, die unter dem großen Begriffshimmel des Liturgischen angesiedelt sind Wie insgesamt diese Jahresausstellung stärker als ihre Vorgänger von einer hoch konzentrierten Bedeutungsdichte und Dauerfeierlichkeit geprägt ist, was auch mit der ungewöhnlich großen Zahl religiös motivierter Stücke zusammenhängen mag. Umso interessanter ist es, dass sich einzelne, eher unauffällige Werke diesem Sinnsog widersetzen. Manos Tsangaris „Pfähle“ (1982) fügt sich eigentlich passgenau ins liturgische Unterthema Prozession, doch sein dokumentierter nächtlicher Weg bleibt mit seinen lapidaren akustischen Funden – jeder Metallpfahl wurde unterwegs zum Klingen gebracht – ein nächtlicher Weg, eine Reihe von Klängen.
Dieser und ein paar anderen Arbeiten ist ein leiser, beharrlicher Eigensinn anzumerken, womit die Problematik der Ausstellung d deutlich wird. „Art is Liturgy“ ist eine konsequent kombinierte und wirkungsvoll arrangierte Ausstellung im immer weiter verfeinerten Stil des Hauses. Aber sie hält sich allzu streng und beflissen an die eigene thematische Vorgabe, verleibt dieser manches ein und verzichtet leider fast ganz auf Reibungen.« (Jens-Peter Koerver, Fleischklumpen mit Schmetterlingen. Mit seiner sechsten Jahresausstellung feiert Kolumba Paul Thek - und einen großen Kunstgottesdienst, in: Stadt-Revue, Köln, 10.2012)

»Erste Kontakte zu Kolumba entstanden 2005, als das gesamte Kuratorenteam, eine Ausstellung ihrer Künstlerbücher in Bochum besuchte. Viele Stunden waren sie dort. Diese intensive Auseinandersetzung hat Missmahl damals mächtig beeindruckt. Nach weiteren Gesprächen wusste er, dass das Museum ein wirkliches Interesse an der gesamten Kollektion und nicht nur an einigen Filetstückchen hat. Missmahl hat sich darin nicht getäuscht. Über ein dreiviertel Jahr aheb die Kuratoren gemeinsam mit dem Sammler die Ausstelung die begleitende Publikation "denken" erarbeitet.« (Cordula Walter, Das Buch der tausend Unikate. Das Sammlerehepaar Missmahl hat seine Künstlerbücher Kolumba vermacht, in: Stadt-Revue 1-12, S.88)

»Jedes Jahr eine völlig neu gestaltete Sammlungspräsentation, das käme anderen Museen nicht in den Sinn. Personal und PR-Aufwand investiert man heute lieber in als 'spektakulär' hochstilisierte Sonderschauen, die Dauerausstellung der eigenen Sammlung – eigentlich doch Herz jeden Museums – verkommt zur Beigabe. Es sei denn, man macht alles von Grund auf anders. Das Kunstmuseum des Kölner Erzbistums Kolumba, seit seiner Eröffnung im Zumthor-Bau 2007 so etwas wie das Synonym für die Ausnahme von der Regel des Kunstbetriebs, verzichtet auf das Prinzip 'Wechselausstellung'. Stattdessen erlebt man alljährlich im September die Inszenierung eines neuen Ausschnitts der Sammlungsbestände, die sich über 2000 Jahre von sakraler bis zu zeitgenössischer und angewandter Kunst dehnen. Dauerausstellung? Eher: Veränderung als Prinzip. Jede Jahresausstellung ein Spiegel der grenzüberschreitenden Sammlungstätigkeit des Hauses, ein Ergebnis fortwährender kuratorischer Auseinandersetzung und Denkprozesse; ein präzises Ausloten der einzigartigen Architektur.
Mit diesem Konzept und der Weigerung, die Anbiederungsgesten, didaktischen Gängeleien und den Event-Aktionismus anderer Häuser zu kopieren, hat Kolumba seit der Eröffnung täglich 200 bis 400 Besucher angezogen und in den Medien höchstes Lob geerntet. Dass nun ein renommierter Kunstkritiker am 1. April in der FAZ den ersten Totalverriss veröffentlicht hat, zeigt beeindruckenden Mut zur Dissidenz. Er wäre zu begrüßen im Sinne der Streitkultur, hätte sich Eduard Beaucamp nicht in einer wüsten Polemik vergaloppiert. Beaucamp bauscht einen Bogen von Bildern als Glaubensretter bis zur Nähe von zeitgenössischer Kunst und Kirche, die 'diffuse Spiritualität und bizarre Experimentierlust' begrüße. Nach dieser Einstimmung lobt er das Würzburger Museum am Dom – barocke Fülle! DDR-Künstler! – und wettert gegen Kolumba. Man fühle sich versetzt in eine kahle Calvinistenkirche, wo 'freudlose Gruftästhetik', 'frostige Leere' und 'bilderfeindliche Bespielung' zum Credo erhoben würden. Rumms. Man reibt sich die Augen, sucht nach Beispiel und Argumentation, überprüft das Gesagte nochmals vor Ort beim Ausstellungsbesuch. Und fragt sich: Waren wir im gleichen Museum? 'Die Kirchen und die Gegenwartskunst', der Untertitel der Kolumne, zielt aufs Ganze. Das Verhältnis von Kunst und Religion ist ein weites, äußerst spannendes Feld und gut beackert, die Beschäftigung sei ausdrücklich empfohlen. Für Kolumba indes gilt: Eine Qualität dieses Museums in Trägerschaft der Kirche ist es, dass es weder Künstlern noch Besuchern solche Diskurse oder religiöse Bekenntnisse aufnötigt. Kolumba ist zuallererst ein Kunstmuseum, als solches kann und muss es mit den Kriterien gemessen werden, die Kunstgeschichte, Kritik und eine aufmerksame Wahrnehmung bereitstellen. Insofern wiegt es schwerer, dass Beaucamp offenbar die zur Kunstbetrachtung unverzichtbaren Sehnerven durchgegangen sind. Es wäre ein lässlicher Lapsus, dass er von 'Betonwänden' spricht, obwohl feinster Naturlehmputz im gesamten Haus die Ausstellungsräume prägt, folgte daraus nicht die Frage: Wenn ihm die sinnlichen Qualitäten von Lehmputz entgehen, was nimmt er dann wahr von der subtilen Materialität des Farbauftragt einer Leinwand? Man muss die radikale Malerei des Amerikaners Joseph Marioni, die derzeit einen Schwerpunkt bildet, nicht mögen – 'schwache zeitgenössische Monochromien' sind es gewiss nicht. Und so fort. Unterstellen wir wohlwollend: Der Kritiker war in Eile, das verträgt sich halt schlecht mit einem Museum der Entschleunigung. Damit zum Thema der vierten Jahresausstellung. Was für ein Feld für eine kontroverse Auseinandersetzung hätte Beaucamp hier gehabt – und belässt es beim Hieb auf das 'körperverleugnende Motto'. Doch auch das ist nicht Beton, sondern schimmert als Leitmotiv in den düsteren, lichten, brutalen, zarten Tönen, die die differenzierten künstlerischen Sichtweisen ihm verleihen. Das Museums-Team rückte das 'Noli me tangere!' (Berühre mich nicht, Halte mich nicht fest, Johannesevangelium) in den Kontext des Missbrauchsskandals, und die Kunst weitet diesen Blick. Mit vielgestaltigen Mitteln kreisen die Werke um Nähe und Distanz, Begehren und Respekt, Übergriff und Behutsamkeit. Im Kern: um die Integrität des Körpers und des Individuums. Da ist die drastische, in beunruhigenden Märchenton gekleidete Bildgeschichte 'Der große und der kleine Paul' von Michael Kalmbach, in der sich große Menschen der zarten, schmackhaften kleinen Menschen als Nahrung bedienen, bis ein vernichtendes Meer aus Kotze eine Utopie gebiert. Am anderen Ende des Spektrums ein weiteres zentrales Werk: die minimalistische Ton-Raum-Skulptur 'Pulsierende Stille' des Klang-Pioniers Bernhard Leitner, in deren Innerem der eigene Körper zum vibrierenden Klangmedium wird. Dazwischen viele Rauminszenierungen und einzelne Werke, die ebenso nachhaltig beschäftigen. Welche Qualität hat Berührung, Begegnung, Beziehung? Achtet oder verletzt sie Grenzen? Ergreift sie Besitz?
Man verlässt die Ausstellung mit angerauter Oberfläche und intellektuell herausgefordert. Man denkt vielleicht noch mal darüber nach, was dieses Haus so besonders macht. Kunst ermöglicht Grenzerfahrung, stellt existenzielle Fragen, macht Unsichtbares sichtbar, darin ist sie religiöser Erfahrung verwandt. Dass sie Glaubenssätze hinterfragt, ad absurdum führt, in letzter Konsequenz ketzerisch auftritt, macht sie zur Kunst. In beidem liegt ein Potenzial. Vielleicht ist es Kolumbas vornehmste Aufgabe, diese Reibung auszuhalten, aus ihr Funken zu schlagen, ein Ort der freien ästhetischen Erfahrung zu sein. Dass er als solcher immer auch gefährdet ist, sollte man nicht vergessen. Eduard Beaucamp gebührt Dank für den Anlass, sich die Qualitäten dieses Hauses noch einmal zu vergegenwärtigen.« (Melanie Weidemüller, Lob der Behutsamkeit, Stadtrevue Köln, Juli 2011, S.72)

»Mit der zweiten Sammlungspräsentation startete Kolumba im September auch die neue Reihe 'Raum 10', die künftig im dreimonatigen Wechsel Künstler vorstellt. Die Ausstellung von Heiner Binding entwickelt sich um eine barocke Marienskulptur aus grauweißem Alabaster im gleichen Raum, die 1945 zerstört und aus 70 erhaltenen Fragmenten wieder zusammengefügt wurde. Auch Bindings Malerei vermittelt in ihrer ungegenständlichen Sprache etwas von Brüchen und Verletzungen, wenn Linien abreißen oder Malschichten aufgeschürft werden, spricht aber auch von den Möglichkeiten, Widerstrebendes zu einem spannungsvollen Ganzen zu verflechten. Seine Arbeiten verbinden subjektive, emotionale Resonanzen mit Reflexionen auf die Geschichte der Malerei (Piet Mondrians Raster, Sigmar Polkes Stoffe, Cy Twombly Graffitis). Das gilt auch für das begleitende, ausgefeilt komponierte Künstlerheft mit dem Titel 'In der Gegend von Camus' – jenes Existenzialisten, der dazu riet, sich Sysiphos als einen glücklichen Menschen vorzustellen.« (he, Kölner Stadt-Revue, 12/2008)

»Dieses Ereignis muss bejubelt werden, Nüchternheit wäre völlig fehl am Platze. Revidieren müsste man dies nur, wenn die Kuratoren die Eröffnungsausstellung von 'Kolumba' komplett in den Sand setzen. Das aber ist unwahrscheinlich, denn eigentlich bereiten sie sich seit 1990 darauf vor.[…] Die Sammlung umfasst Werke von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst, ohne Trennung zwischen alter und neuer, angewandter und freier Kunst. Wie umsichtig und wirkungsvoll ein solches 'Crossover' inszeniert werden kann, konnte man in vielen Ausstellungen erleben. […] Kolumba hat den gleichen Eigensinn und langen Atem wie Peter Zumthor.« (Melanie Weidemüller, Kolumba wird eröffnet, Stadt-Revue Kölnmagazin, 9/2007)
 

 
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KOLUMBA :: Kritiken :: Stadt-Revue

»In ihrer Ausstellung, die sich über fünf Räume von Kolumba verteilt, stellt die aus Wales stammende, in Berlin lebende Bethan Huws eine Gretchenfrage: Warum noch mehr Kunstwerke schaffen, wenn man schon die nicht versteht, die es bereits gibt? So lautet der Text in einer ihrer sogenannten „Wort-Vitrinen“, Glaskästen mit Steckleisten für bewegliche Buchstaben, die gleichzeitig Texte und gerahmte Bilder sind.
Die Kunst von Bethan Huws liefert mögliche Antworten auf diese Frage. Eine davon lautet, dass Verstehen kein abschließbarer Prozess, sondern ein endloses Spiel mit Variablen ist. So versieht die Künstlerin ein Fenster mit einem Vorhang, der mit dem Wort „CERTAIN“ bedruckt ist – ein Wortspiel mit „curtain“, dem englischen Wort für Vorhang, ine Anspielung auf Ludwig Wittgensteins Text „Über Gewissheit“ und eine produktive Intervention in einem Haus, das auf Fragen von Glauben und Zweifel spezialisiert ist.
Im Zentrum von Huws’ künstlerischen Überlegungen steht erklärtermaßen das Werk von Marcel Duchamp, dem die Kunstwelt seit über hundert Jahren das Readymade, den zum Kunstwerk erklärten Alltagsgegentand verdankt. Huws spielt mit Duchamps Einsicht, dass Kunst nicht eine Frage der Ästhetik, sondern eine der Geltung ist: Auf zwei Tischen begegnen sich sorgfältig von ihr arrangierte Alltagsgegenstände aus der Sammlung des Museums und von Huws ausgewählte Naturobjekte – ohne dass man die Frage, ob die Alltagsdinge dadurch ebenfalls zu Kunst geworden sind, mit dem Auge allein beantworten könnte. Ein gründliches Interesse an Duchamp wäre unvollständig ohne eine Hommage an seinen ganz unironischen Erotismus, den Huws in ihrer Filmprojektion „The Chocolate Bar“ (2005/06) gebührend feiert. Dreh- und Angelpunkt der Arbeit ist das Wort „Mars“, das einen Frühlingsmonat einen Kriegsgott, einen Planeten und einen Schokoriegel bezeichnen kann. Der Film kontrastiert eine Kaskade sprachlicher Missverstände, die um den Begriff kreisen, mit dem – herrlich überzogenen – sprachlosen, aber nicht stummen Genießen der Schokolade durch einen männlichen Darsteller, Anspielung auf Duchamps Vorliebe für das (autoerotische) Junggesellentum. Sprache, fand Duchamp, ist gut für Vereinfachungen, aber ziemlich ungeeignet, um „36 Schattierungen einen Gefühls“ zum Ausdruck zu bringen.« (Barbara Hess „Fragen über Fragen“, Bethan Huws interveniert in Kolumba in: Stadtrevue von 06/2016)

»Dieses Kunststückchen schleicht sich aus dem Augenwinkel ins Bewusstsein. Eine Sache von Sekunden. Man steht zum Beispiel im Kiosk an der Aachener Straße, der Blick streift Zigaretten, das Alkoholregal, dort lehnt ein iPad, darauf zwei applaudierende Anzugträger; soweit so tausend mal gesehen. Aber die Herren hören einfach nicht auf zu klatschen. Eine Endlosschleife, resistent gegenüber schneller Deutungswut (Ähnelt der eine nicht Dick Cheney? Wann, wo, warum?), je länger man schaut, desto sinnentleerter wird die Geste. Aber einen Moment steht die Warenwelt still. Eingeschleust hat den Agenten der Künstler Olaf Eggers: Für seine mit Kolumba realisierte Aktion „Shopmovies“ hat er an sechs Orten in der Innenstadt iPads platziert. Ein Relitätspartikel (kurz, leicht, schnell erfassbar) extrahieren, minimal bearbeiten, zurück ins Umfeld setzen – so erklärt Eggers seine Arbeitsweise. Eine präzise Setzung, maximal beiläufig, die unterhalb des Kunstradars das Alltagsgeschäft infiltiert. Applaus Applaus – für diese Art uns zu verstören.« (Melanie Weidemüller, Shopmovies, Stadt-Revue, 01/2016, S.70)

»Die neue Ausgabe eines christlichen Gesangbuchs, ein Thema für die StadtRevue? Nun, wenn die Katholische Kirche in ihr „Gotteslob“, dem 1975 erschienenen Gebets- und Gesangbuch für alle deutschsprachigen Bistümer, erstmals freie Zeichnungen integriert und dafür die Kölner Künstlerin Monika Bartholomé anfragt, wird es schon ein Thema. Erst recht, wenn in der musealen Präsentation dieser Arbeiten auch Bartholomés umfassendes Projekt „Museum für Zeichnung“ vorgestellt wird. Für die Ausstellung hat Kolumba seine erste Etage freigeräumt: Das Museum im Museum präsentiert in Originalzeichnungen, Postkarten, Publikationen und Filmen eine persönliche und zugleich umfassende Definition der Zeichenkunst. In ihr finden die Werke fürs „Gotteslob“ mit Tattoos, Kalligraphie, Comics, Ritzzeichnungen und Animation gemeinsame Nenner.« [Es folgt ein ausführliches Interview] (Oliver Tepel, Der Mensch ist ein Zeichner. Monika Bartholomé präsentiert ihr Museum für Zeichnung der ÖffentlichkeitStadtRevue 06/2015

»…eine zerbrechliche, würdige Empfangsdame aus Alabaster-Bruchstücken, still, anmutig, staunenmachend. In dieser Tonart ist die gesamte, sehr aufgeräumte Ausstellung gestimmt, die um das katholische "Gaudium et Spes", Freude und Hoffnung kreist. Entdeckungen? Aber ja: etwa eine Skulptur der 1981 geborenen, in New York lebenden Esther Kläs, die eines der Turmzimmer mit ihrer ganzen verblüffenden Präsenz füllen darf… Freude bereiten auch die große "petersburger" Wand mit Zeichnungen nach der Natur, Birgit Antonis früher Animationsfilm "Schmetterling" oder (was schlummert noch alles in dieser Sammlung?), vierzig auf Reisen gezeichnete Blätter des leichthändigen Meisters Richard Tuttle. Wer befürchtet hatte, das "Prinzip Kolumba" mit welchsenden Jahresausstellungen könnte sich erschöpfen, den Kuratoren die Ideen oder die Sammlungsbestände ausgehen, wird auch mit der nunmehr achten Neu-Inszenierung sanft eines Besseren belehrt." (Melanie Weidemüller. Kolumba playing by heart, in: Stadt-Revue, 11/2104, S.67)

»Das Kölner Kolumba lud Bruno Jakob nun zu einer Intervention innerhalb der Jahresausstellung 'zeigen verhüllen verbergen. Schrein' ein, und in der Tat passt diese exentrische Position hervorragend zum Kontext. Der 1954 in der Schweiz geborene, in New York lebende Künstler beschäftigt sich schon seit 1968 mit seinen 'Invisible Paintings', wie er seine Malerei mit unsichtbaren Materialien nennt. Es geht um den Versuch, die Kraft der Imagination selbst darzustellen.« (Sabine Elsa Müller, Schneckenmalerei und tiefer Schlaf, in: Stadt-Revue, 4/2014, S.50)

»Kölns schönstes und eigensinnigstes Museum sammelt nebenbei auch Auszeichnungen. Dieses Jahr die "Große Nike" des BDA, und gerade wählte die Deutsche Sektion des AICA (Internationaler Kunstkritikerverband) Kolumba zum "Museum des Jahres 2013". Manchmal trifft es den richtigen.« (Stadt-Revue, Januar 2014, S.29)

»Jedes Jahr baut sich diese Spannung auf: Nach kurzer Umbauzeit präsentiert sich Kolumba – immer zum gleichen Termin am 15. September – mit einer komplett neuen Präsentation seiner Sammlung, die nun wieder für ein ganzes Jahr lang für eine eigenwillige Kunsterfahrung wie auch für Diskussionsstoff sorgen wird. "zeigen verbergen verhüllen. Schrein – Eine Ausstellung zur Ästhetik des Unsichtbaren" laut der programmatisch assoziative Titel in diesem Jahr. Während man geduldig mit den Pressekollegen vor den Türen des Museumsbaus auf Einlass wartet, wir einem plötzlich bewusst, wie sehr die Metapher des Schreins, der etwas noch viel Kostbareres in sich birgt, verhüllt und damit gleichzeitig aus der Masse hervorhebt, auf den vom Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor entworfenen Bau selbst zutrifft. Das Kunstmuseum des Erzbistums ist in vieler Hinsicht etwas Besonderes. Es beherbergt einen imposanten sakralen Schatz an Malerei, Skulptur, liturgischem Gerät, Gewändern, goldenen Monstranzen, Büchern, Prozessionsfahnen und vieles mehr, der sämtliche Epochen bis zurück zum frühen Mittelalter umfasst. 1990 erlebte das Museum mit dem Amtsantritt von Joachim M. Plotzek eine Zäsur, denn er öffnete das Museums für die Gegenwartskunst. Im Neubau trägt Stefan Kraus seit 2008 die Verantwortung für wechselnde Dialoge von sakraler und profaner Kunst, Alt und Neu, Hochkunst und Angewandter Kunst und die eigenwilligen Fragen, die Kolumba aufwirft: Was macht einen Gegenstand zur Kunst? Was sind uns die Dinge, mit denen wir uns täglich umgeben wert? Ist spirituelles Erleben an Heiligenbilder gebunden oder stellt es sich auch bei einem abstrakten Gemälde ein? Bei der nun schon siebten Jahresausstellung geht das Konzept auf. Der Rundgang ist von mächtigen Blöcken akzentuiert, die von Station zu Station spiralförmig in die 2. Etage leiten, in das Innerste und gleichsam Allerheiligste. Dort glänzt die Ausstellung mit spektakulären Leihgaben aus dem Siegburger Kirchenschatz: Das Paradestück ist der Anno-Schrein von 1181, der als Vorläufer des Dreikönigen-Schreins im Kölner Dom zu den kostbarsten Goldschmiedewerken seiner Zeit zählt. Begleitet von drei weiteren, etwas kleineren Schreinen bildet sich hier ein sakrales Zentrum, das verüllt, was es in sich birgt. In umgekehrter Reihenfolge von innen nach außen betrachtet, legt sich um dieses Zentrum eine diaphane Hülle in Form der wunderbar ambivalenten Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Max Cole (* 1937), deren Werk einen weiteren Schwerpunkt bildet. Ihre aus feinen horizontalen und vertikalen Linien und luziden Bändern aufgebaute Malerei wirkt nüchtern und beunruhigend zugleich, flächig und unendlich tief, wechselhaft und unggreifbar. Die angrenzenden Räume bieten immer wieder überraschende, vor allem sehr unterschiedliche Eindrücke. Die 22 Räume des Hauses erfordern dramaturgisches Geschick. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Einige sind niedrig, andere turmhoch, manche schmal und lang, dramatisch beleuchtet, liegen in schummrigem Dämmerlicht oder sind lichtdurchflutet. Durch die Haupträume spannt sich ein gleißend polierter, fast weißer Terrazzoboden, auf dem die Besucher wie auf Wasser zu wandeln scheinen, während der Lehmputz der Wände für eine warme Ausstrahlung sorgt. An diesem sensiblen Wänden wirken die blauen Bilder von Rudolf de Crignis (1999) noch unwirklicher, schwebender und entrückter als sonst. Skie teilen sich den Raum mit einem mächtigen Heilig-Geist-Retabel aus einer Nürberger Werkstatt von 1449, als spannende Gegenüberstellung formal völlig unterschiedlicher Lösungen der Frage nach der spirituellen Malerei. Es lassen sich viele Neuentdeckungen machen, wie die beeindruckende Halbfigur von Hans Josephsohn (1996) oder die bisher noch nie gezeigten feinen Radierungen von Gerhard Altenbourg (1985-88). Die lebendige, von Licht modulierte Oberfläche von Jeremias Geisselbrunns Muttergottes mit Kind aus Alabaster (um 1650) korrespondiert in einem sehr reizvollen Kontrast mit den wenigen Pinselstrichen und der meditativen Tiefe des kleinen Jawlensky-Bildes (1937) ihr gegenüber. Ein Schrein kann aber auch ein modernes Gerät sein, wie beispielsweise ein Fernsehrgerät aus der Sammlung Schriefers, ein Radiogerät oder ein Toaster, eine Thermoskanne oder eine alte Plattenkamera – so unerschöpflich das Thema, so vielfältig und spannend diese Ausstellung.« (Sabine Elsa Müller, Heiliger Schrein trifft profane Wunderkisten, in: Stadtrevue, 12.2013, S.61)

»Kolumba ist Kolumba. Mit seiner Eröffnung 2007 hat sich dieses Museum als ein Kunstort eigener Art etabliert. Er zeigt Chronologien und sortenreine Einteilungen souverän ignorierende Ausstellungen sakraler Werke aller Epochen und mischt sie mit Kunst, Design und Kunsthandwerk der Moderne und Gegenwart. Die bisherigen Jahresausstellungen lassen sich als offene, um ein thematisches Motto gruppierte Arrangements beschreiben. Darüber ist fast vergessen worden, dass Kolumba nicht nur Kolumba ist, sondern auch „Museum des Erzbistums Köln“. Mit der neuen Jahresausstellung wird aus dieser kirchlichen Bindung mutmaßlich eine Verpflichtung. Sie steht unter dem Titel „Art is Liturgy. Paul Thek und die Anderen“. In dieser so griffigen wie durch ihren Allgemeingültigkeitsanspruch problematischen Formel – ein Thek-Zitat – werden Kunst und Gottesdienst gleichgesetzt, denn Liturgie bedeutet die „amtliche oder gewohnheitsrechtliche Form des Gottesdienstes“, wie es nüchtern im Duden heißt. In einer Pressemitteilung fasst das Museum Liturgie weiter, in ihr „wird die Geburt, Leben und Werk, die Passion, der Tod und die Auferstehung gefeiert, erinnert und vergegenwärtigt“. Nicht nur die einengende Bindung an einen theologischen Begriff, auch die Hervorhebung eines einzelnen Künstlers ist ein Novum, konventionelle Retrospektiven sind nicht Sache des Hauses. Auch für Paul Thek macht man keine Ausnahme. Fast immer sind seine im ganzen Haus verteilten Werke – Objekte, Zeichnungen und Bücher, Malereien – mit anderen Stücken kombiniert. Kolumba hat seit den 90er Jahren die weltweit größte Sammlung mit Werken des Amerikaners zusammengetragen. Paul Thek (1933 – 1988) ging es, auch und gerade im Sinne des Liturgischen, ums Ganze, um erste und letzte Dinge. Seine begeisterte, quälende Auseinandersetzung mit Gott und der Welt findet ihren Niederschlag in ebenso individuellen wie rätselhaften, verstörenden Werken. Vor allem seine plastischen Objekte handeln von einer sehr persönlichen Beschäftigung mit dem (eigenen) Körper, der physischen Seite des Seins als Fleisch, und der Entgrenzung und Aufhebung eben dieses Körpers durch Tod und Erlösung. Thek zeigt ihn mal als ozeanisch zwischen Fischen schwimmenden, treibenden, lebensgroßen Leib („Fishman“, 1969), mal als aus Wachs gefertigten, fettgelben, geweberoten Fleischbrocken, der wie selbstverständlich von Schmetterlingen, den Seelensymboltieren schlechthin, umgeben ist („Technological Reliquary [Meatsculpture with Butterflies]“, 1966). Spielerischer, heiterer, manchmal naiv erscheinen seine Malereien, Zeichnungen und Radierungen. Aber auch diese Erdkugeln, Schlangen, Meere, Schwäne, Wale sind durch ihre Titel, anspielungsreiche Beschriftungen, nicht zuletzt die traditionelle christliche Symbolik inhaltlich aufgeladen und in heilsgeschichtliche Zusammenhänge eingebunden. Trifft für Thek das Schlagwort „Kunst ist Liturgie“ sicher zu, so ist zu fragen, wie es sich mit den „Anderen“ verhält. Michael Buthes prätentiös-pathetisches Spätwerk „Die heilige Nacht der Jungfräulichkeit“ (1992) fügt sich bruchlos ins Kunstliturgische. Es besteht aus zwölf geschwärzten Kupfertafeln, die mit ihren gravierten, schwebenden Figuren und üppigen Ornamenten geheimnisvoll im Licht einiger Kerzen im Dunkeln schimmern. Überhaupt scheint diesmal in einigen Räumen eine besonders bedeutungsschwere Andachtsdunkelheit zu herrschen. Jannis Kounellis Goldwand „Tragedia civile“ (1975) leuchtet noch ein bisschen feierlicher als sonst in Raum 16. In ihrer Nachbarschaft tauchen Deckenstrahler diverse zeitgenössische Schalen, Becher und Vasen in auratisierendes Licht, zusätzlich erfahren sie im Begleitheft durch ein Zitat zur liturgischen Notwendigkeit von Gefäßen eine unfreiwillige Sakralisierung. Subtiler sind die Eingemeindungen anderer weltlicher Werke. Ob es sich um Literatur zur Bauhausbühne und George Brechts profane Handlungsempfehlungen handelt, die dem Rituellen zugeschlagen werden, oder um Jürgen Klaukes ironisch-circensische „Daseinsrenovierung # 1-6“ (1996 – 98), die durch eine benachbarte Pietà und Theks „Fishman“ in höheren Sphären entrückt wird, stets werden Werke in Zusammenhänge gestellt, die unter dem großen Begriffshimmel des Liturgischen angesiedelt sind Wie insgesamt diese Jahresausstellung stärker als ihre Vorgänger von einer hoch konzentrierten Bedeutungsdichte und Dauerfeierlichkeit geprägt ist, was auch mit der ungewöhnlich großen Zahl religiös motivierter Stücke zusammenhängen mag. Umso interessanter ist es, dass sich einzelne, eher unauffällige Werke diesem Sinnsog widersetzen. Manos Tsangaris „Pfähle“ (1982) fügt sich eigentlich passgenau ins liturgische Unterthema Prozession, doch sein dokumentierter nächtlicher Weg bleibt mit seinen lapidaren akustischen Funden – jeder Metallpfahl wurde unterwegs zum Klingen gebracht – ein nächtlicher Weg, eine Reihe von Klängen.
Dieser und ein paar anderen Arbeiten ist ein leiser, beharrlicher Eigensinn anzumerken, womit die Problematik der Ausstellung d deutlich wird. „Art is Liturgy“ ist eine konsequent kombinierte und wirkungsvoll arrangierte Ausstellung im immer weiter verfeinerten Stil des Hauses. Aber sie hält sich allzu streng und beflissen an die eigene thematische Vorgabe, verleibt dieser manches ein und verzichtet leider fast ganz auf Reibungen.« (Jens-Peter Koerver, Fleischklumpen mit Schmetterlingen. Mit seiner sechsten Jahresausstellung feiert Kolumba Paul Thek - und einen großen Kunstgottesdienst, in: Stadt-Revue, Köln, 10.2012)

»Erste Kontakte zu Kolumba entstanden 2005, als das gesamte Kuratorenteam, eine Ausstellung ihrer Künstlerbücher in Bochum besuchte. Viele Stunden waren sie dort. Diese intensive Auseinandersetzung hat Missmahl damals mächtig beeindruckt. Nach weiteren Gesprächen wusste er, dass das Museum ein wirkliches Interesse an der gesamten Kollektion und nicht nur an einigen Filetstückchen hat. Missmahl hat sich darin nicht getäuscht. Über ein dreiviertel Jahr aheb die Kuratoren gemeinsam mit dem Sammler die Ausstelung die begleitende Publikation "denken" erarbeitet.« (Cordula Walter, Das Buch der tausend Unikate. Das Sammlerehepaar Missmahl hat seine Künstlerbücher Kolumba vermacht, in: Stadt-Revue 1-12, S.88)

»Jedes Jahr eine völlig neu gestaltete Sammlungspräsentation, das käme anderen Museen nicht in den Sinn. Personal und PR-Aufwand investiert man heute lieber in als 'spektakulär' hochstilisierte Sonderschauen, die Dauerausstellung der eigenen Sammlung – eigentlich doch Herz jeden Museums – verkommt zur Beigabe. Es sei denn, man macht alles von Grund auf anders. Das Kunstmuseum des Kölner Erzbistums Kolumba, seit seiner Eröffnung im Zumthor-Bau 2007 so etwas wie das Synonym für die Ausnahme von der Regel des Kunstbetriebs, verzichtet auf das Prinzip 'Wechselausstellung'. Stattdessen erlebt man alljährlich im September die Inszenierung eines neuen Ausschnitts der Sammlungsbestände, die sich über 2000 Jahre von sakraler bis zu zeitgenössischer und angewandter Kunst dehnen. Dauerausstellung? Eher: Veränderung als Prinzip. Jede Jahresausstellung ein Spiegel der grenzüberschreitenden Sammlungstätigkeit des Hauses, ein Ergebnis fortwährender kuratorischer Auseinandersetzung und Denkprozesse; ein präzises Ausloten der einzigartigen Architektur.
Mit diesem Konzept und der Weigerung, die Anbiederungsgesten, didaktischen Gängeleien und den Event-Aktionismus anderer Häuser zu kopieren, hat Kolumba seit der Eröffnung täglich 200 bis 400 Besucher angezogen und in den Medien höchstes Lob geerntet. Dass nun ein renommierter Kunstkritiker am 1. April in der FAZ den ersten Totalverriss veröffentlicht hat, zeigt beeindruckenden Mut zur Dissidenz. Er wäre zu begrüßen im Sinne der Streitkultur, hätte sich Eduard Beaucamp nicht in einer wüsten Polemik vergaloppiert. Beaucamp bauscht einen Bogen von Bildern als Glaubensretter bis zur Nähe von zeitgenössischer Kunst und Kirche, die 'diffuse Spiritualität und bizarre Experimentierlust' begrüße. Nach dieser Einstimmung lobt er das Würzburger Museum am Dom – barocke Fülle! DDR-Künstler! – und wettert gegen Kolumba. Man fühle sich versetzt in eine kahle Calvinistenkirche, wo 'freudlose Gruftästhetik', 'frostige Leere' und 'bilderfeindliche Bespielung' zum Credo erhoben würden. Rumms. Man reibt sich die Augen, sucht nach Beispiel und Argumentation, überprüft das Gesagte nochmals vor Ort beim Ausstellungsbesuch. Und fragt sich: Waren wir im gleichen Museum? 'Die Kirchen und die Gegenwartskunst', der Untertitel der Kolumne, zielt aufs Ganze. Das Verhältnis von Kunst und Religion ist ein weites, äußerst spannendes Feld und gut beackert, die Beschäftigung sei ausdrücklich empfohlen. Für Kolumba indes gilt: Eine Qualität dieses Museums in Trägerschaft der Kirche ist es, dass es weder Künstlern noch Besuchern solche Diskurse oder religiöse Bekenntnisse aufnötigt. Kolumba ist zuallererst ein Kunstmuseum, als solches kann und muss es mit den Kriterien gemessen werden, die Kunstgeschichte, Kritik und eine aufmerksame Wahrnehmung bereitstellen. Insofern wiegt es schwerer, dass Beaucamp offenbar die zur Kunstbetrachtung unverzichtbaren Sehnerven durchgegangen sind. Es wäre ein lässlicher Lapsus, dass er von 'Betonwänden' spricht, obwohl feinster Naturlehmputz im gesamten Haus die Ausstellungsräume prägt, folgte daraus nicht die Frage: Wenn ihm die sinnlichen Qualitäten von Lehmputz entgehen, was nimmt er dann wahr von der subtilen Materialität des Farbauftragt einer Leinwand? Man muss die radikale Malerei des Amerikaners Joseph Marioni, die derzeit einen Schwerpunkt bildet, nicht mögen – 'schwache zeitgenössische Monochromien' sind es gewiss nicht. Und so fort. Unterstellen wir wohlwollend: Der Kritiker war in Eile, das verträgt sich halt schlecht mit einem Museum der Entschleunigung. Damit zum Thema der vierten Jahresausstellung. Was für ein Feld für eine kontroverse Auseinandersetzung hätte Beaucamp hier gehabt – und belässt es beim Hieb auf das 'körperverleugnende Motto'. Doch auch das ist nicht Beton, sondern schimmert als Leitmotiv in den düsteren, lichten, brutalen, zarten Tönen, die die differenzierten künstlerischen Sichtweisen ihm verleihen. Das Museums-Team rückte das 'Noli me tangere!' (Berühre mich nicht, Halte mich nicht fest, Johannesevangelium) in den Kontext des Missbrauchsskandals, und die Kunst weitet diesen Blick. Mit vielgestaltigen Mitteln kreisen die Werke um Nähe und Distanz, Begehren und Respekt, Übergriff und Behutsamkeit. Im Kern: um die Integrität des Körpers und des Individuums. Da ist die drastische, in beunruhigenden Märchenton gekleidete Bildgeschichte 'Der große und der kleine Paul' von Michael Kalmbach, in der sich große Menschen der zarten, schmackhaften kleinen Menschen als Nahrung bedienen, bis ein vernichtendes Meer aus Kotze eine Utopie gebiert. Am anderen Ende des Spektrums ein weiteres zentrales Werk: die minimalistische Ton-Raum-Skulptur 'Pulsierende Stille' des Klang-Pioniers Bernhard Leitner, in deren Innerem der eigene Körper zum vibrierenden Klangmedium wird. Dazwischen viele Rauminszenierungen und einzelne Werke, die ebenso nachhaltig beschäftigen. Welche Qualität hat Berührung, Begegnung, Beziehung? Achtet oder verletzt sie Grenzen? Ergreift sie Besitz?
Man verlässt die Ausstellung mit angerauter Oberfläche und intellektuell herausgefordert. Man denkt vielleicht noch mal darüber nach, was dieses Haus so besonders macht. Kunst ermöglicht Grenzerfahrung, stellt existenzielle Fragen, macht Unsichtbares sichtbar, darin ist sie religiöser Erfahrung verwandt. Dass sie Glaubenssätze hinterfragt, ad absurdum führt, in letzter Konsequenz ketzerisch auftritt, macht sie zur Kunst. In beidem liegt ein Potenzial. Vielleicht ist es Kolumbas vornehmste Aufgabe, diese Reibung auszuhalten, aus ihr Funken zu schlagen, ein Ort der freien ästhetischen Erfahrung zu sein. Dass er als solcher immer auch gefährdet ist, sollte man nicht vergessen. Eduard Beaucamp gebührt Dank für den Anlass, sich die Qualitäten dieses Hauses noch einmal zu vergegenwärtigen.« (Melanie Weidemüller, Lob der Behutsamkeit, Stadtrevue Köln, Juli 2011, S.72)

»Mit der zweiten Sammlungspräsentation startete Kolumba im September auch die neue Reihe 'Raum 10', die künftig im dreimonatigen Wechsel Künstler vorstellt. Die Ausstellung von Heiner Binding entwickelt sich um eine barocke Marienskulptur aus grauweißem Alabaster im gleichen Raum, die 1945 zerstört und aus 70 erhaltenen Fragmenten wieder zusammengefügt wurde. Auch Bindings Malerei vermittelt in ihrer ungegenständlichen Sprache etwas von Brüchen und Verletzungen, wenn Linien abreißen oder Malschichten aufgeschürft werden, spricht aber auch von den Möglichkeiten, Widerstrebendes zu einem spannungsvollen Ganzen zu verflechten. Seine Arbeiten verbinden subjektive, emotionale Resonanzen mit Reflexionen auf die Geschichte der Malerei (Piet Mondrians Raster, Sigmar Polkes Stoffe, Cy Twombly Graffitis). Das gilt auch für das begleitende, ausgefeilt komponierte Künstlerheft mit dem Titel 'In der Gegend von Camus' – jenes Existenzialisten, der dazu riet, sich Sysiphos als einen glücklichen Menschen vorzustellen.« (he, Kölner Stadt-Revue, 12/2008)

»Dieses Ereignis muss bejubelt werden, Nüchternheit wäre völlig fehl am Platze. Revidieren müsste man dies nur, wenn die Kuratoren die Eröffnungsausstellung von 'Kolumba' komplett in den Sand setzen. Das aber ist unwahrscheinlich, denn eigentlich bereiten sie sich seit 1990 darauf vor.[…] Die Sammlung umfasst Werke von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst, ohne Trennung zwischen alter und neuer, angewandter und freier Kunst. Wie umsichtig und wirkungsvoll ein solches 'Crossover' inszeniert werden kann, konnte man in vielen Ausstellungen erleben. […] Kolumba hat den gleichen Eigensinn und langen Atem wie Peter Zumthor.« (Melanie Weidemüller, Kolumba wird eröffnet, Stadt-Revue Kölnmagazin, 9/2007)