Kolumba
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»An diesem Freitag begeht das Kunstmuseum des Erzbistums Köln seinen 10. Geburtstag. Von Beginn an stand Kolumba für Ruhe und Heiterkeit. Das gilt auch für Jahresausstellung Nummer elf, nicht umsonst eine "kölsche Zahl". "Pas de Deux" ist die elfte Jahresausstellung des Kölner Kunstmuseums Kolumba betitelt. Die Bezeichnung für den Paartanz als die höchste und emotionalste Form des Balletts ist Programm: Für die vielfältige Schau haben sich gleich zwei Kuratorenteams, nämlich von Kolumba und vom benachbarten Römisch-Germanischen Museum (RGM), aufs Parkett begeben. Zwei Jahre lang näherten sich die vier Männer und vier Frauen den Sammlungen der beiden Häuser, suchten Assoziationen und Verbindungen. Heraus kamen viele überraschende Kombinationen von Objekten aus den eigenen Beständen sowie Leihgaben des RGM, die von Freitag bis 20. August 2018 im Kunstmuseum des Erzbistums Köln zu sehen sind. Der äußere Anlass ist zwar ein eher prosaischer, wie Kolumba-Direktor Stefan Kraus erläutert: Das RGM wird bald für eine große Sanierung geschlossen, so dass seine Sammlung hier in Teilen eine Herberge findet. Aber: "Es war wirklich eine Koproduktion, das Miteinander zweier Museen, die für ein Jahr dieses Haus als das ihre erklären", so Kraus, der Kolumba seit 2008 leitet. Insofern sei RGM-Chef Marcus Trier "Untermieter für ein Jahr in Kolumba". Der "Pas de Deux" sei hier wörtlich zu verstehen, hieß es. Exponate, die zumeist von höchster künstlerischer oder historischer Qualität sind, werden durch ungewöhnliche Ideenkonstrukte miteinander in Beziehung gesetzt. Anhand eines Kolumba-Taschenbuchs kann sich der Besucher seinen Weg durch die 21 Räume des vor zehn Jahren eröffneten Hauses bahnen. Hunderte Exponate von der Antike bis zur Gegenwart erwarten ihn, darunter römische Grabplatten, Schmuck, Plastiken, Kruzifixe, Video-Installationen, Keramik, Wandgemälde und Glaskunst. Kolumba-Kuratorin Ulrike Surmann verweist auf ein Lapislazuli-Köpfchen aus dem ersten Jahrhundert, das die römische Kaiserin Livia zeigt. Merkwürdigerweise ist das Bildnis dieser jungen Römerin als Christus-Kopf in das sogenannte Herimann-Kreuz aus dem 11. Jahrhundert gefügt worden. Dem Kruzifix haben die Ausstellungsmacher eine kleine Glasbüste von Livias Gatten Augustus zur Seite gestellt, ergänzt Kuratorin Friederike Naumann-Steckner vom RGM. Von welchem Museum welches Exponat, von welchem Kurator welche Idee stammt, wird übrigens im Beiheftchen bewusst verschwiegen, unterstreicht Direktor Kraus. Zu sehen sind auch Filme von Rebecca Horn, in denen sich eine Frau die Haare abschneidet, kombiniert mit einem antiken Venus-Torso. Ein eigener Raum ist tierischen Motiven gewidmet, der allerlei Getier von der Römerzeit bis in die Gegenwart aufbietet - in Form von Skulpturen, Gemälden oder Fliesen. Tönerne "Gesichtsurnen" aus dem 1. bis 3. Jahrhundert sind 91 Bildnissen von Benedicte Peyrat von 2006 gegenübergestellt, auf denen die Abgebildeten dem Betrachter die Zunge herausstrecken und sonstige Grimassen reißen. Als "Ballsaal" der Ausstellung bezeichnen die Macher den sogenannten "Schnörkelraum". Hier werden antike Glasgefäße aus Köln gezeigt, die damals mit einer Wellenlinie, dem sogenannten Schnörkel, gezeichnet wurden. "Ein Zeichen wie bei Apple heute", meint Naumann-Steckner. Marc Steinmann aus dem Kolumba-Team bereitete die Begegnung mit dem berühmten antiken Trinkgefäß Diatret im RGM ein besonderes Aha-Erlebnis: Es wurde 1960 im Stadtteil Braunsfeld gefunden, ganz in der Nähe seines Elternhauses. Das Römisch-Germanische Museum habe er als Kind geliebt. "Dann entdeckt man plötzlich ein Diatretglas, das bei einem zu Hause um die Ecke gefunden wurde", wundert sich der Kunsthistoriker. Kombiniert wurde das kleine Glas aus dem vierten Jahrhundert im Turmraum von Kolumba mit dem sechsteiligen Wandgemäldezyklus von Dieter Krieg (1968) "In der Leere ist ist nichts". Die riesigen Acrylbilder in expressiven Farbkontrasten zeigen ein umkippendes Glas - ein klassisches Symbol der Kunst für Vergänglichkeit, erklärt Kraus. Dagegen lautet der Spruch auf dem antiken Glas: "Trinke. Lebe schön. Immerdar." Für RGM-Direktor Trier "Kölsche Lehre in Reinkultur".« (Sabine Kleyboldt, Erzbischöfliches Museum Kolumba feiert Jubiläum. Zum Zehnjährigen ein "Pas de Deux", domradio, 14.9.2017)

»Der erste hat herunterhängende Mundwinkel wie Angela Merkel, der zweite einen Überbiss, der dritte träumt vor sich hin, und der vierte mit seinem buschigen Schnäuzer kommt ein wenig mürrisch rüber. "Die Vier Gekrönten" zierten einmal das Grabmal des Kölner Dombaumeisters Nikolaus von Bueren. Diese Schutzheiligen der Steinmetze und Bildhauer waren damals, im 15. Jahrhundert, ein denkbar progressives Kunstwerk, denn alle vier wurden als unverwechselbare Persönlichkeiten dargestellt. Damit ist die frisch restaurierte Figurengruppe "Die Vier Gekrönten" der ideale Aufhänger für die neue Jahresausstellung des Kölner Kolumba-Museums mit dem Titel "Über das Individuum". | Für Direktor Dr. Stefan Kraus ist die Jubiläumsausstellung auch politisch zu verstehen. In einer Zeit, wo die Freiheit des Individuums an vielen Orten dieser Welt eingeschränkt wird, könne ein Kunstmuseum nicht im luftleeren Raum arbeiten. Die Terroranschläge und die vielen Menschen auf der Flucht, die keine individuellen Entscheidungsspielräume mehr haben, sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sind ein Angriff auf diese Freiheit. Es sei die Aufgabe der Kunst, so Direktor Kraus, ein Gegenbild zu schaffen, "ein Bild, das das Individuum weder durch Geld, noch durch Luxus oder durch Macht, verbunden mit Machtmissbrauch, und auch nicht durch den neusten Klingelton oder das tollste Auto definiert, sondern auf die psychischen, geistigen, spirituellen und transzendenten Belange des Menschen hinweist." | Das mehrfach preisgekrönte Kunstmuseum des Erzbistums Köln verbindet auch in seiner Jubiläumsausstellung seinen hochklassigen Bestand an alter Sakralkunst auf anregende Weise mit moderner Kunst. Die in der Ausstellung "Me in a no-time state (in etwa: Ich in einem Nicht-Zeit-Zustand)" gezeigten Kunstwerke vom 6. bis zum 21. Jahrhundert spielen abwechslungsreich und vieldeutig mit dem Begriff des Individuums. Gleich zu Beginn der Ausstellung im Foyer werden die Besucher von Robotern aus der Sammlung Krimhild Becker empfangen, die einen Hinweis auf die Entindividualisierung unseres Alltags andeuten. | In den 50 Videoporträts von Kurt Benning erzählen unter anderen ein Schriftsteller, ein Autoverkäufer oder eine Lehrerin eine Stunde lang ungekürzt über ihr Leben. Beziehungsreich werden im Armarium künstlerisch gestalteter Schmuck von heute und kunstvoll gefertigten Rosenkränzen von früher in Verbindung mit koptischen Textilien ausgestellt. Zudem sind Andachtsbildchen, Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Rauminstallationen und Videokunst unter anderen von Stephan Baumkötter, Krimhild Becker, Michael Kalmbach, Eugene Leroy und Stefan Wewerka zu sehen.« (Birgitt Schippers, Das rätselhafte Ich, domradio, 13.9.2017)

»Totenköpfe, eine Zeichnung von einem Froschskelett oder kleine weiße Büsten - die Wände, Regale und der Boden sind mit Skurrilitäten geschmückt. Der Raum im Diözesanmuseum Kolumba in Köln wirkt wie eine Wunderkammer. Er beschäftigt sich mit dem Thema Tod und Leben in verschiedener Weise - eine Installation der Kölner Künstlerin Krimhild Becker. In dem Ambiente verbinden sich Natur und Kunst, Ernstes und Heiteres. Kunst und Kitsch werden nicht voneinander getrennt. Das Werk ist Teil der Ausstellung „Noli me tangere - berühre mich nicht, halte mich nicht fest“, die ab Mittwoch ihre Pforten öffnet. „Einmal im Jahr wird das Kolumba zu einem neuen Museum“, sagt der Direktor Stefan Kraus. Es wechselt seine Exponate und etabliert ein neues Thema. In der neuen Schau geht es um den Umgang mit Nähe und Distanz, Respekt und Begehren, Begegnung und Verlust. Die Ausstellung wird nur mit Werken aus der eigenen Sammlung bespielt. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht ein mittelalterlicher Flügelaltar aus dem Jahr 1449; diesen Heilig-Geist Altar hatte das Museum im vergangenen Jahr erworben. Die bewusst nicht ausgefüllte Mitte des Altars deutet Kraus als ein Fehlen des Körpers. „Über diesen Körperverlust kamen wir schnell zu Maria Magdalena, die das leere Grab Jesu findet“, fügt Kraus an. Ihre Sehnsucht nach körperlicher Nähe und der Verlust des geliebten Menschen waren ausschlaggebend für den Titel. „Noli me tangere“ sagt Jesus zu Maria Magdalena im Johannesevangelium; erst da erkennt sie die Anwesenheit des Herrn. Berühre mich nicht, halte mich nicht fest - das sind zwei Lesarten und bilden den Hintergrund der Ausstellung. Die Schau, die auch von der zu bewahrenden Unversehrtheit des Individuums handelt, habe durch die Debatte um sexuellen Missbrauch im Bereich der Kirche eine eigene Brisanz erhalten, so Kraus. In 19 Rauminstallationen wird auf drei Ebenen mit Kunstwerken aus 2 Jahrtausenden zum Nachdenken über dieses Thema angeregt. Gleich zu Beginn der Schau ereilt den Besucher das Bedürfnis der Berührung - in Anbetracht des Gemäldes von Michael Toenges. Es besticht durch Sinnlichkeit, Plastizität und einer kultivierten Farbigkeit, gemalt mit Pinseln, Spachteln und den Händen selbst. Auch im Kunstwerk von Bernhard Leitner im Obergeschoss wird Kunst körperlich erfahrbar. Pulsierende Stille„ heißt seine „TonRaumSkulptur“. Der Österreicher ist ein Pionier der Klangskulptur, die er seit den späten 1960er Jahren erdacht, experimentell entwickelt und schließlich zu einer eigenen Kunstgattung geführt hat. Nach außen hin als geräuschlose minimalistische Skulptur erscheinend, erfährt sich der Zuhörer im Inneren des Werkes als Teil eines irritierenden Klangkörpers. „Die Zartheit im Inneren berührt den Körper“, so Kraus. Einen Sammlungsschwerpunkt des Museums bildet das Werk des Amerikaners Paul Thek. In vier Versionen existiert die als „Fishman“ betitelte Skulptur, die zweite wird erstmals im Kolumba gezeigt. Auf dem Boden liegend und mit Fischen bedeckt blickt die Figur auf eine Installation von Jannis Kounellis: Eine blattvergoldete Wand, vor der ein Garderobenständer mit Mantel und Hut steht - „Tragedia civile“, bürgerliche Tragödie, heißt das Werk. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes steht in der Ecke auf einem Pult ein Foliant, der täglich umgeblättert wird. Er stammt aus dem Nachlass von Krimhild Becker, die ebenfalls täglich eine neue Seite aufschlug. Das Buch steht unmittelbar vor ihrer Rauminstallation und bildet den Eintritt in ihre Wunderkammer, in der - wie auch sonst - nichts angefasst werden darf. Aber die Chancen, berührt herauszugehen, sind sehr hoch.« (Birgitt Schippers, Körperliche Kunst im Kolumba. Ausstellung über Nähe und Distanz im Kölner Diözesanmuseum, domradio, 15.9.2010)
 

 
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»An diesem Freitag begeht das Kunstmuseum des Erzbistums Köln seinen 10. Geburtstag. Von Beginn an stand Kolumba für Ruhe und Heiterkeit. Das gilt auch für Jahresausstellung Nummer elf, nicht umsonst eine "kölsche Zahl". "Pas de Deux" ist die elfte Jahresausstellung des Kölner Kunstmuseums Kolumba betitelt. Die Bezeichnung für den Paartanz als die höchste und emotionalste Form des Balletts ist Programm: Für die vielfältige Schau haben sich gleich zwei Kuratorenteams, nämlich von Kolumba und vom benachbarten Römisch-Germanischen Museum (RGM), aufs Parkett begeben. Zwei Jahre lang näherten sich die vier Männer und vier Frauen den Sammlungen der beiden Häuser, suchten Assoziationen und Verbindungen. Heraus kamen viele überraschende Kombinationen von Objekten aus den eigenen Beständen sowie Leihgaben des RGM, die von Freitag bis 20. August 2018 im Kunstmuseum des Erzbistums Köln zu sehen sind. Der äußere Anlass ist zwar ein eher prosaischer, wie Kolumba-Direktor Stefan Kraus erläutert: Das RGM wird bald für eine große Sanierung geschlossen, so dass seine Sammlung hier in Teilen eine Herberge findet. Aber: "Es war wirklich eine Koproduktion, das Miteinander zweier Museen, die für ein Jahr dieses Haus als das ihre erklären", so Kraus, der Kolumba seit 2008 leitet. Insofern sei RGM-Chef Marcus Trier "Untermieter für ein Jahr in Kolumba". Der "Pas de Deux" sei hier wörtlich zu verstehen, hieß es. Exponate, die zumeist von höchster künstlerischer oder historischer Qualität sind, werden durch ungewöhnliche Ideenkonstrukte miteinander in Beziehung gesetzt. Anhand eines Kolumba-Taschenbuchs kann sich der Besucher seinen Weg durch die 21 Räume des vor zehn Jahren eröffneten Hauses bahnen. Hunderte Exponate von der Antike bis zur Gegenwart erwarten ihn, darunter römische Grabplatten, Schmuck, Plastiken, Kruzifixe, Video-Installationen, Keramik, Wandgemälde und Glaskunst. Kolumba-Kuratorin Ulrike Surmann verweist auf ein Lapislazuli-Köpfchen aus dem ersten Jahrhundert, das die römische Kaiserin Livia zeigt. Merkwürdigerweise ist das Bildnis dieser jungen Römerin als Christus-Kopf in das sogenannte Herimann-Kreuz aus dem 11. Jahrhundert gefügt worden. Dem Kruzifix haben die Ausstellungsmacher eine kleine Glasbüste von Livias Gatten Augustus zur Seite gestellt, ergänzt Kuratorin Friederike Naumann-Steckner vom RGM. Von welchem Museum welches Exponat, von welchem Kurator welche Idee stammt, wird übrigens im Beiheftchen bewusst verschwiegen, unterstreicht Direktor Kraus. Zu sehen sind auch Filme von Rebecca Horn, in denen sich eine Frau die Haare abschneidet, kombiniert mit einem antiken Venus-Torso. Ein eigener Raum ist tierischen Motiven gewidmet, der allerlei Getier von der Römerzeit bis in die Gegenwart aufbietet - in Form von Skulpturen, Gemälden oder Fliesen. Tönerne "Gesichtsurnen" aus dem 1. bis 3. Jahrhundert sind 91 Bildnissen von Benedicte Peyrat von 2006 gegenübergestellt, auf denen die Abgebildeten dem Betrachter die Zunge herausstrecken und sonstige Grimassen reißen. Als "Ballsaal" der Ausstellung bezeichnen die Macher den sogenannten "Schnörkelraum". Hier werden antike Glasgefäße aus Köln gezeigt, die damals mit einer Wellenlinie, dem sogenannten Schnörkel, gezeichnet wurden. "Ein Zeichen wie bei Apple heute", meint Naumann-Steckner. Marc Steinmann aus dem Kolumba-Team bereitete die Begegnung mit dem berühmten antiken Trinkgefäß Diatret im RGM ein besonderes Aha-Erlebnis: Es wurde 1960 im Stadtteil Braunsfeld gefunden, ganz in der Nähe seines Elternhauses. Das Römisch-Germanische Museum habe er als Kind geliebt. "Dann entdeckt man plötzlich ein Diatretglas, das bei einem zu Hause um die Ecke gefunden wurde", wundert sich der Kunsthistoriker. Kombiniert wurde das kleine Glas aus dem vierten Jahrhundert im Turmraum von Kolumba mit dem sechsteiligen Wandgemäldezyklus von Dieter Krieg (1968) "In der Leere ist ist nichts". Die riesigen Acrylbilder in expressiven Farbkontrasten zeigen ein umkippendes Glas - ein klassisches Symbol der Kunst für Vergänglichkeit, erklärt Kraus. Dagegen lautet der Spruch auf dem antiken Glas: "Trinke. Lebe schön. Immerdar." Für RGM-Direktor Trier "Kölsche Lehre in Reinkultur".« (Sabine Kleyboldt, Erzbischöfliches Museum Kolumba feiert Jubiläum. Zum Zehnjährigen ein "Pas de Deux", domradio, 14.9.2017)

»Der erste hat herunterhängende Mundwinkel wie Angela Merkel, der zweite einen Überbiss, der dritte träumt vor sich hin, und der vierte mit seinem buschigen Schnäuzer kommt ein wenig mürrisch rüber. "Die Vier Gekrönten" zierten einmal das Grabmal des Kölner Dombaumeisters Nikolaus von Bueren. Diese Schutzheiligen der Steinmetze und Bildhauer waren damals, im 15. Jahrhundert, ein denkbar progressives Kunstwerk, denn alle vier wurden als unverwechselbare Persönlichkeiten dargestellt. Damit ist die frisch restaurierte Figurengruppe "Die Vier Gekrönten" der ideale Aufhänger für die neue Jahresausstellung des Kölner Kolumba-Museums mit dem Titel "Über das Individuum". | Für Direktor Dr. Stefan Kraus ist die Jubiläumsausstellung auch politisch zu verstehen. In einer Zeit, wo die Freiheit des Individuums an vielen Orten dieser Welt eingeschränkt wird, könne ein Kunstmuseum nicht im luftleeren Raum arbeiten. Die Terroranschläge und die vielen Menschen auf der Flucht, die keine individuellen Entscheidungsspielräume mehr haben, sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sind ein Angriff auf diese Freiheit. Es sei die Aufgabe der Kunst, so Direktor Kraus, ein Gegenbild zu schaffen, "ein Bild, das das Individuum weder durch Geld, noch durch Luxus oder durch Macht, verbunden mit Machtmissbrauch, und auch nicht durch den neusten Klingelton oder das tollste Auto definiert, sondern auf die psychischen, geistigen, spirituellen und transzendenten Belange des Menschen hinweist." | Das mehrfach preisgekrönte Kunstmuseum des Erzbistums Köln verbindet auch in seiner Jubiläumsausstellung seinen hochklassigen Bestand an alter Sakralkunst auf anregende Weise mit moderner Kunst. Die in der Ausstellung "Me in a no-time state (in etwa: Ich in einem Nicht-Zeit-Zustand)" gezeigten Kunstwerke vom 6. bis zum 21. Jahrhundert spielen abwechslungsreich und vieldeutig mit dem Begriff des Individuums. Gleich zu Beginn der Ausstellung im Foyer werden die Besucher von Robotern aus der Sammlung Krimhild Becker empfangen, die einen Hinweis auf die Entindividualisierung unseres Alltags andeuten. | In den 50 Videoporträts von Kurt Benning erzählen unter anderen ein Schriftsteller, ein Autoverkäufer oder eine Lehrerin eine Stunde lang ungekürzt über ihr Leben. Beziehungsreich werden im Armarium künstlerisch gestalteter Schmuck von heute und kunstvoll gefertigten Rosenkränzen von früher in Verbindung mit koptischen Textilien ausgestellt. Zudem sind Andachtsbildchen, Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Rauminstallationen und Videokunst unter anderen von Stephan Baumkötter, Krimhild Becker, Michael Kalmbach, Eugene Leroy und Stefan Wewerka zu sehen.« (Birgitt Schippers, Das rätselhafte Ich, domradio, 13.9.2017)

»Totenköpfe, eine Zeichnung von einem Froschskelett oder kleine weiße Büsten - die Wände, Regale und der Boden sind mit Skurrilitäten geschmückt. Der Raum im Diözesanmuseum Kolumba in Köln wirkt wie eine Wunderkammer. Er beschäftigt sich mit dem Thema Tod und Leben in verschiedener Weise - eine Installation der Kölner Künstlerin Krimhild Becker. In dem Ambiente verbinden sich Natur und Kunst, Ernstes und Heiteres. Kunst und Kitsch werden nicht voneinander getrennt. Das Werk ist Teil der Ausstellung „Noli me tangere - berühre mich nicht, halte mich nicht fest“, die ab Mittwoch ihre Pforten öffnet. „Einmal im Jahr wird das Kolumba zu einem neuen Museum“, sagt der Direktor Stefan Kraus. Es wechselt seine Exponate und etabliert ein neues Thema. In der neuen Schau geht es um den Umgang mit Nähe und Distanz, Respekt und Begehren, Begegnung und Verlust. Die Ausstellung wird nur mit Werken aus der eigenen Sammlung bespielt. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht ein mittelalterlicher Flügelaltar aus dem Jahr 1449; diesen Heilig-Geist Altar hatte das Museum im vergangenen Jahr erworben. Die bewusst nicht ausgefüllte Mitte des Altars deutet Kraus als ein Fehlen des Körpers. „Über diesen Körperverlust kamen wir schnell zu Maria Magdalena, die das leere Grab Jesu findet“, fügt Kraus an. Ihre Sehnsucht nach körperlicher Nähe und der Verlust des geliebten Menschen waren ausschlaggebend für den Titel. „Noli me tangere“ sagt Jesus zu Maria Magdalena im Johannesevangelium; erst da erkennt sie die Anwesenheit des Herrn. Berühre mich nicht, halte mich nicht fest - das sind zwei Lesarten und bilden den Hintergrund der Ausstellung. Die Schau, die auch von der zu bewahrenden Unversehrtheit des Individuums handelt, habe durch die Debatte um sexuellen Missbrauch im Bereich der Kirche eine eigene Brisanz erhalten, so Kraus. In 19 Rauminstallationen wird auf drei Ebenen mit Kunstwerken aus 2 Jahrtausenden zum Nachdenken über dieses Thema angeregt. Gleich zu Beginn der Schau ereilt den Besucher das Bedürfnis der Berührung - in Anbetracht des Gemäldes von Michael Toenges. Es besticht durch Sinnlichkeit, Plastizität und einer kultivierten Farbigkeit, gemalt mit Pinseln, Spachteln und den Händen selbst. Auch im Kunstwerk von Bernhard Leitner im Obergeschoss wird Kunst körperlich erfahrbar. Pulsierende Stille„ heißt seine „TonRaumSkulptur“. Der Österreicher ist ein Pionier der Klangskulptur, die er seit den späten 1960er Jahren erdacht, experimentell entwickelt und schließlich zu einer eigenen Kunstgattung geführt hat. Nach außen hin als geräuschlose minimalistische Skulptur erscheinend, erfährt sich der Zuhörer im Inneren des Werkes als Teil eines irritierenden Klangkörpers. „Die Zartheit im Inneren berührt den Körper“, so Kraus. Einen Sammlungsschwerpunkt des Museums bildet das Werk des Amerikaners Paul Thek. In vier Versionen existiert die als „Fishman“ betitelte Skulptur, die zweite wird erstmals im Kolumba gezeigt. Auf dem Boden liegend und mit Fischen bedeckt blickt die Figur auf eine Installation von Jannis Kounellis: Eine blattvergoldete Wand, vor der ein Garderobenständer mit Mantel und Hut steht - „Tragedia civile“, bürgerliche Tragödie, heißt das Werk. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes steht in der Ecke auf einem Pult ein Foliant, der täglich umgeblättert wird. Er stammt aus dem Nachlass von Krimhild Becker, die ebenfalls täglich eine neue Seite aufschlug. Das Buch steht unmittelbar vor ihrer Rauminstallation und bildet den Eintritt in ihre Wunderkammer, in der - wie auch sonst - nichts angefasst werden darf. Aber die Chancen, berührt herauszugehen, sind sehr hoch.« (Birgitt Schippers, Körperliche Kunst im Kolumba. Ausstellung über Nähe und Distanz im Kölner Diözesanmuseum, domradio, 15.9.2010)