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12/17 Schenkung Renate König

7. Dezember 2017
Übergabe der Schenkung von Renate König
im Rahmen einer Pressekonferenz

Mit der Entgegennahme einer der bedeutendsten Schenkungen, die ein Kölner Museum je erhalten hat, dürfen wir das Jubiläumsjahr im Neubau Kolumba beschließen: Renate König schenkt dem Kunstmuseum des Erzbistums ihre einzigartige Sammlung mittelalterlicher Handschriften. Wissenschaftlich beraten von Joachim M. Plotzek (Kolumba-Leiter von 1990–2008) ist in 36 Jahren mit großer Umsicht und höchstem Qualitätsverständnis eine Sammlung entstanden, die 39 prachtvoll illustrierte Codices sowie ein Blockbuch beinhaltet, beginnend im späten 13. und endend im frühen 16. Jahrhundert; darunter Stundenbücher, Breviere und Psalterien, die zum Kostbarsten zählen, was Miniaturmalerei und Buchkunst in den europäischen Kulturzentren hervorgebracht haben. Mit ihren Texten, die für das täglich wiederholte Lesen oder auch für das Beten in bestimmten Lebenslagen vorgesehen waren, bisweilen verbunden mit Ablassgewährungen für das ewige Seelenheil sowie mit Bildgeschichten und Heiligendarstellungen, den heiteren Drôlerien einer »verkehrten Welt« und den vielfältigen Ornamenten, waren diese meist handlichen Codices ein sicheres Unterpfand ihrer Besitzer für das Gelingen des täglichen Lebens. Ihre Benutzung versprach vielfältige Hilfe für die »Kunst des rechten Lebens und die Kunst des guten Sterbens«. Die wohl beste Sammlung in deutschem Privatbesitz liefert eine reiche Quelle zur Bildwelt mittelalterlicher Frömmigkeit und das geistige Fundament der privaten Andacht. Darin enthalten sind sowohl Bücher, die für anonym gebliebene Käufer entstanden, als auch solche, die im Auftrag hochgestellter Persönlichkeiten in Text und Ausstattung individuell komponiert wurden. Beispiele der Buchmalerei aus den besten Ateliers in Paris und Barcelona, in Neapel, Brügge, Utrecht, London und vielen anderen Orten belegen eine kulturelles Phänomen von europäischem Ausmaß. Wir freuen uns, die Schenkung als Kabinettausstellung in der Advents- und Weih nachts zeit im Lesezimmer vorstellen zu dürfen.

»Dies ist ein ganz besonderer Tag für unser Museum „Kolumba“, für unsere Stadt, für unser Erzbistum. Wir empfangen eine Sammlung von europäischem, internationalem Rang In den heiligen Schriften finden sich die Gotteserfahrungen vieler Menschen wieder. Dadurch werden die Bücher selbst zu einem kostbaren Testament, das uns nun überantwortet wird. Die Schenkung von Frau König erinnert uns an die Macht und die Kraft des Buches. Sie ist ein Plädoyer für die Wertschätzung gegenüber einer der wichtigsten Kulturleistungen Europas – schon lange vor Luther und Guttenberg. Sie ist aber auch eine Mahnung in einem Land, in dem Bücher einmal verbrannt wurden. Die Schenkung ist eine wunderbare Adventsgabe, sie macht Lust, zu lesen, zu staunen, innezuhalten und die Schätze der Vergangenheit zu betrachten.« (Dr. Dominik Meiering, Generalvikar des Erzbistums Köln)

»Der inhaltliche Reichtum, die künstlerische Vielfalt im Erfinden von Bild- und Schmuckmotiven sowie die malerische Qualität, die Kunstfertigkeit der Kalligraphen, deren untrügliches Gefühl für die ausgewogene Gestaltung der Textseiten sind für Renate König Beweggründe und Entscheidungskriterien gewesen, während der vergangenen vierzig Jahre diese Handschriften zu sammeln. Die Sammlung ist getragen von Ihrer Begeisterung für die mittelalterliche Andachtsliteratur und die damit verbundene Bildwelt.« (Joachim M. Plotzek Kolumba-Leiter von 1990–2008)

»Ohne das langjährige Engagement zahlreicher Förderer wäre das heutige Renommé von Kolumba nicht denkbar. Die Renate König-Stiftung ist hier an allererster Stelle zu nennen. Mit der Schenkung ihrer privaten Sammlung mittelalterlicher Handschriften macht das Museum nun einen Quantensprung. Mit 40 einzigartigen Büchern der privaten Andacht legt Renate König ein kultur- und geistesgeschichtliches Fundament. Es trägt eine Sammlung, die dem Medium Buch vom Mittelalter bis zur jüngsten Gegenwart einen der Malerei und Skulptur vergleichbaren Stellenwert einräumt. Wir sind ihr unendlich dankbar für die großzügige Gabe zum zehnten Geburtstag im viel gepriesenen Neubau.« (Stefan Kraus)

»Mit den Handschriften zu arbeiten, ist eine große Freude. Die Texte und Bilder bieten eine Fülle von Themen, in denen das Selbstverständnis des mittelalterlichen Menschen ganz konkret zum Ausdruck kommt: die Marienfrömmigkeit, die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod, die Prägung durch das Leiden Christi, die Strukturierung der Zeit durch die kirchlichen Feste und die Sehnsucht danach, nicht vergessen zu werden – um nur die Komplexe zu nennen, die wir in dieser Ausstellung ansprechen. Mit anderen aufgeschlagenen Seiten könnte eine ganz andere Erzählung zustande kommen.« (Ulrike Surmann)