1996 Über die Ambivalenz
Oktober 1996 bis Februar 1997
Über die Ambivalenz
Wiederbegegnung mit Unbekanntem - Teil 8
Nach der »Homage to the Square« bestimmen zwei Kupferkugeln den zentralen Raum des Museums. Deutlicher könnte der Wechsel in unserer Ausstellungsreihe kaum sein: Von der zentrierten Komposition im Bild zu einer raumgreifenden Bewegung, die nach eigener Gesetzmäßigkeit scheinbar ungerichtet verlaufen könnte. Neben diesem »Pair Object« wird die Amerikanerin Roni Horn mit Malerei und Zeichnung auf Papier und einer Serie von Fotografien vorgestellt. In ihren Werken werden Interferenzen zwischen dem zeitlosen Raum und seiner Weite und dem räumlich und zeitlich definierten Ort erfahrbar. Dabei scheinen jeweils beide Festlegungen möglich zu sein. Diese Ambivalenz der Erlebnismöglichkeiten von Kunst ist das Thema unserer Ausstellung. Nicht also Beliebigkeit der Deutung, die ihr häufig unterstellt wird, vielmehr eine zielgerichtete Doppelwertigkeit, die von Kunstwerken ausgeht. Gezeigt werden Arbeiten, die bei aller individuellen Fixierung einen Raum zwischen den Orten und eine Zeit außerhalb von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ansprechen. Einem Wandbehang mit der Mystischen Jagd im verschlossenen Garten (15./16.Jh.) steht Richard Tuttles Zyklus »40 Days« gegenüber. Symbole und typologische Darstellungen des Mittelalters treffen auf vierzig gezeichnete und gemalte Strukturen, die sich zu Organismen auszuweiten scheinen, und regen ein Nachdenken über das letzthin Unbegreifliche entstehenden Lebens an. Die Zeichnungen und Gouachen von Louise Bourgeois kreisen in einer Weise um Wachstum, um Organisches und Landschaft, daß sie Zustände zwischen Anmut und Bedrohung, Erinnerung und Traum heraufbeschwören. Zwischen liebenswürdiger Heiterkeit und brutaler Verstümmelung wechselt die Ausstrahlung der farbig glasierten Tonskulpturen von Leiko Ikemura, die trotz ihrer figürlichen Eigenheiten derart unbestimmt bleiben, daß sie im gleichen Moment so gegensätzlich empfunden werden können.
Über die Ambivalenz
Wiederbegegnung mit Unbekanntem - Teil 8
Nach der »Homage to the Square« bestimmen zwei Kupferkugeln den zentralen Raum des Museums. Deutlicher könnte der Wechsel in unserer Ausstellungsreihe kaum sein: Von der zentrierten Komposition im Bild zu einer raumgreifenden Bewegung, die nach eigener Gesetzmäßigkeit scheinbar ungerichtet verlaufen könnte. Neben diesem »Pair Object« wird die Amerikanerin Roni Horn mit Malerei und Zeichnung auf Papier und einer Serie von Fotografien vorgestellt. In ihren Werken werden Interferenzen zwischen dem zeitlosen Raum und seiner Weite und dem räumlich und zeitlich definierten Ort erfahrbar. Dabei scheinen jeweils beide Festlegungen möglich zu sein. Diese Ambivalenz der Erlebnismöglichkeiten von Kunst ist das Thema unserer Ausstellung. Nicht also Beliebigkeit der Deutung, die ihr häufig unterstellt wird, vielmehr eine zielgerichtete Doppelwertigkeit, die von Kunstwerken ausgeht. Gezeigt werden Arbeiten, die bei aller individuellen Fixierung einen Raum zwischen den Orten und eine Zeit außerhalb von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ansprechen. Einem Wandbehang mit der Mystischen Jagd im verschlossenen Garten (15./16.Jh.) steht Richard Tuttles Zyklus »40 Days« gegenüber. Symbole und typologische Darstellungen des Mittelalters treffen auf vierzig gezeichnete und gemalte Strukturen, die sich zu Organismen auszuweiten scheinen, und regen ein Nachdenken über das letzthin Unbegreifliche entstehenden Lebens an. Die Zeichnungen und Gouachen von Louise Bourgeois kreisen in einer Weise um Wachstum, um Organisches und Landschaft, daß sie Zustände zwischen Anmut und Bedrohung, Erinnerung und Traum heraufbeschwören. Zwischen liebenswürdiger Heiterkeit und brutaler Verstümmelung wechselt die Ausstrahlung der farbig glasierten Tonskulpturen von Leiko Ikemura, die trotz ihrer figürlichen Eigenheiten derart unbestimmt bleiben, daß sie im gleichen Moment so gegensätzlich empfunden werden können.